Von den Folgen der Pelzmode und den Verlusten des Lebensraumes

Zu den bekanntesten gefleckten Kleinkatzen Süd- und Mittelamerikas gehört der Ozelot. Diese hübsche Wildkatze wirft wie die meisten Ozelotverwandten gewöhnlich nur ein Junges und braucht 1 Jahr, um es großzuziehen. Somit kann sich der Bestand dieser Katzenart nur schwer vergrößern. Im Gegenteil. Während der Pelzmode in den 60er und 70er Jahren waren sie sogar in ihrer Existens bedroht.
Kleinkatzen sind in Gefangenschaft nur schwer nachzuzüchten. Die Nachfrage nach gefleckten Pelzmänteln war aber enorm und so musste man sie, um ihre Felle zu bekommen, in den Regenwäldern jagen. Fast jedes Dorf in Südamerika wusste bald, dass mit dem Fell der Katzen Geld zu verdienen war. Ein Händler fuhr wochenlang die Flüsse ab, um die Felle zu sammeln. Ein Indianer konnte an einem Fell das sechsfache eines Monatslohn verdienen.Tausende von Tieren wurden getötet. 1968 wurden allein in die USA (!) 13 000 Jaguarfelle und 129 000 Ozelotfelle exportiert. 1969 stieg die Anzahl der dort eingeführten  auf 133 000 an. Als es dann weniger große Katzen gab, wandte man sich den kleineren Arten zu. Mitte der 70er Jahre erreichte der Handel seinen Höhepunkt, als in einem Jahr eine halbe Millionen Felle gefleckter Kleinkatzen exportiert wurde.  1970 stieg allein die Anzahl der Margayfelle auf   30 000 pro Jahr an. Bis 1980 wurden jährlich 80 000 Felle der Oncilla und 80 000 Felle der Kleinfleckkatze verarbeitet. 1983 wurden weltweit noch immer ¼ Millionen gefleckter Kleinkatzenfelle gehandelt.
Naturschützer wurden aufgeschreckt und versuchten dem Handel ein Ende zu bereiten. Aber erst als der CITES-Vertrag für gefährdete Tiere in Kraft trat, war ein deutlicher Rückgang des Handels zu spüren. 1980 ließ die Nachfrage in den USA, wie auch in Europa immer mehr nach. Dies und der CITES-Vertrag führten dazu, dass der legale Handel 1985 praktisch eingestellt wurde.

Trotzdem blüht der Handel nach wie vor. Der größte Exporteur für illegale Tierfelle ist Paraguay. Hier werden die Felle zuerst in des Land geschmuggelt, dann nach Städte wie Montevideo verschifft und von dort aus geht es dann weiter nach Europa und die vereinigten Staaten. Im Juni 1990 wurde CITES gemeldet, dass die argentinische Behörden 3 000 Oncillafelle und 1 000 Ozelotfelle beschlagnahmt hatten, die aus Paraguay kamen.
In Brasilien werden die Felle nach Manaus am Amazonas gebracht, von dort aus zu den Inseln an der Küste verschafft und anschließend per Flugzeugin die USA oder nach Europa gebracht. Die Lieferungen können in Europa über verschiedene Häfen eingeführt werden. Aber der Hauptumschlagplatz für Wildkatzenfelle ist Griechenland. Hier sind einige Pelzgeschäfte auch behilflich Pelzmäntel mit gefälschten Papieren in die vereinigten Staaten oder nach England einzuschmuggeln. Bis zu 30 Ozelote werden für solch einen Mantel in voller Länge benötigt.

Aber heute gibt es für die gefleckten Katzen eine Gefahr, die größer ist, als es der Pelzhandel je war in atemberaubendem Tempo werden die Tropen abgeholzt. Mit diesen Maßnahmen soll Weideland für Rinder geschaffen werden. In der Nähe lebende Jaguare greifen die Herden manchmal an und werden daraufhin von den Viehzüchtern gejagt und erlegt.

Mittlerweile sind aber auch weit abgelegene Gebiete nicht mehr vor dem Menschen sicher: Die Anden beispielsweise zweier weiterer Wildkatzenarten. Die eine ist die Chilenische Waldkatze, die durch Abholzung ihres Lebensraumes immer stärker bedroht ist. Sie gehört zu den gefährdetsten Katzenarten und wurde erst vor kurzem in freier Wildbahn zum ersten Mal fotografiert. Die andere ist die Andenbergkatze. Sie ist so selten, das sie bisher nur wenige Male gesichtet wurde. Über ihre Lebensweise ist nichts bekannt.

Erst in den vergangenen Jahren begannen Tierschützer sich für Kleinkatzen richtig einzusetzen. Dies liegt hauptsächlich daran, dass diese Katzenarten versteckt leben und der genaue Bestand von ihnen schwer zu schätzen ist. So weiß man von den meisten Kleinkatzen nicht, wie viele es von ihrer Art gibt.. Tatsache ist nur, dass sie sehr selten sind. Beispiel Bornekatze. Diese Katze ist durch Vernichtung ihres Lebensraumes vom Aussterben bedroht. Die Gefahr ist groß, dass sie Aussterben wird, ohne dass wir je ein lebendes Exemplar dieser Art zu Gesicht bekommen haben.

Als eine der seltensten Katzen gilt die Iriomote-Katze. Sie kommt nur noch in wenigen Exemplaren auf der kleinen Insel Iriomote vor. Dennoch steht das seltene Tier keineswegs unter strengem Schutz, so dass es in absehbarer Zeit wohl ausgerottet sein dürfte.

Durch Vernichtung des Lebensraumes, was heute wohl eine der größten Gefahren, nicht nur für Wildkatzen, sondern für fast alle heute existierenden Wildtiere darstellt, geht auch der Bestand der ohne hin schon seltenen Marmorkatze immer mehr zurück. Die ihr ähnliche ‚Mittelkatze’, der Nebelparder, der in vielen Gebieten wegen seines kostbaren Pelzes bereits ausgerottet wurde, steht mittlerweile auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten. Die Staaten, in denen er heute noch vorkommt haben ihn unter Schutz gestellt. Trotzdem schwindet der Bestand weiter, da in weiten Bereichen seiner Heimat Wälder gerodet werden, um Platz für die immer weiter anwachsende Bevölkerung zu machen.

Manche Katzen, wie beispielsweise die Bengalkatze oder der Rotluchs sind anpassungsfähiger, als die bereits genannten Arten. Gibt es keinen Wald mehr, können sie sich noch ins Bergland zurückziehen.Wenn sie dort genügend Platz finden und nicht wegen ihres Felles gejagt werden, kann sich der Bestand erholen. Die Bengalkatze gilt noch als eine der häufigsten Katzen der alten Welt, unterliegt aber dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen. Trotzdem sollen nach Erkenntnissen von Tierschützern allein in China pro Jahr 400 000 Bengalkatzenfelle gehandelt werden. Durch die Bejagung sind einige Unterarten bereits in ihrem Bestand bedroht. Zwar ist die Ausfuhr der indischen Unterart verboten, doch ist der Schutz völlig ungenügend.

 Es müssen aber nicht nur Felle exotischer Katzen sein. Luchsfelle waren im Mittelalter sehr begehrt. Ein Leopardenfell erzielte zu jener Zeit kaum einen höheren Preis. Außerdem galt der Luchs als schädlich. Durch die übermäßige Jagd wurde er beinnahe ausgerottet. Vom Pardelluchs gibt es heute nicht sehr viel mehr als 300 – 400 Tiere. Er steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Er wird nicht mehr gejagt und doch scheint sein Überleben fraglich. Heute ist der Luchs in Europa geschützt. Andernorts wird er immer noch gejagt. In Nordamerika werden etwa 70 000 Rotluchse pro Jahr für den Pelzhandel gefangen/geschossen. Trotzdem wird der Bestand dieser Katze allein in den USA auf über 1 Millionen Tiere geschätzt, womit er als die weitaus häufigste Katze der neuen Welt gilt. Man trifft ihn an den Buschbedeckten Rocky Mountains wie in den feuchtwarmen Sumpfwäldern Nähe Floridas an. Inzwischen ist er sogar ein ausgesprochener Kulturfolger geworden, der selbst in den Randgebieten von Großstädten umherstreift.

Es gibt Katzen, auch wenn es wenige sind, die es geschafft haben, sich in der Zeit des Menschen zurechtzufinden. Ihre Anpassungsfähigkeit hat sich ausgezahlt; Sie haben sich daran gewöhnt neben dem Menschen zu leben. Doch der Mensch gewöhnt sich nicht an den Gedanken, dass wilde Tiere in seiner Umgebung leben. Denn nicht nur unscheinbare Tiere wie der Rotluchs streichen dort nachts umher. In Afrika tun das auch Leoparden. Sie dringen dort bis in die Millionenstädte vor. Diese scheint ihnen egal zu sein. Mancherorts entwickelt er eine Ausgesprochene Vorliebe für Hunde und manchmal werden diese Vierbeiner von ihren Terrassen weg vom Leoparden gerissen.
Dennoch sind die gefleckten Katzen bedroht. Das schöngezeichnete Fell wäre der Großkatze beinahe zum Verhängnis geworden. Zwischen 1960 und 1970 gerieten Wilderer und Sportjagd aufgrund der enormen Nachfrage nach Leopardenpelzen völlig außer Kontrolle und trieb die Katze an den Rand der Ausrottung. Man schätzt, dass in Ostafrika in den frühen 60er Jahren etwa 50 000 Leoparden erlegt wurden. 1975 wurde der Leopard im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) auf Anhang I gesetzt., zu den akut vom Aussterben bedrohten Arten. Der Bestand der Katze hat sich inzwischen erholt, er ist durch Verfolgung weiterhin selten, aber im riesigen Verbreitungsgebiet nicht mehr als Art bedroht.  Trotzdem ist für einige Unterarten der Gesinnungswandel wahrscheinlich zu spät gekommen. Nachfrage nach Leopardenpelzen herrscht nach wie vor. Die Abschussquote nach CITES beträgt 1 – 2 % des jeweils von Experten geschätzten Bestandes. Die genannte Zahl gilt aber nur für die Sportjagd. Wie viele Leoparden von Einheimischen, Hirten und Wilderern erlegt werden, bleibt nach wie vor eine  nicht unerhebliche Dunkelziffer. Nachforschungen vor Ort ergaben, dass in Botswana 1994 an fünf ansässige Jagdgesellschaften Jagdlizenzen für 60 Leoparden verkauft hat. Die Nachfrage war angeblich doppelt so hoch.
Die wohl bedrohteste Unterart und gleichzeitig wohl die schönste, ist der Amurleopard. Für ein Fell dieses Leoparden zahlt man in Russland bis 5 000Mark (2 500Euro) Der Gesamtbestand liegt bei nur noch 50 Tieren, davon leben 25 in Ostrussland, der Rest in Nordkorea.

Der Gepard – eines der schnellsten Tiere der Welt. Und gleichzeitig eines der gefährdetsten. Die Gefahr für ihn besteht weniger in der Wilderei, sondern in der Bejagung durch Hirten.
So muss man sagen, dass Geparde viel zu lange Beine für Katzen haben. Obwohl sie nur etwa ein viertel vom Löwen wiegen, haben sie dieselbe Schulterhöhe wie er. Der Kopf ist ebenfalls leichter als der anderer Katzen. Wegen der Merkmale des Körpers haben es Geparde schwer zu überleben. Wegen ihrer schlanken Linie müssen sie kleinere Beute machen. Paviane in der Gruppe sind zu stark und Warzenschweine haben kräftige Hauer.
Außerdem gibt es den Punkt, dass die ausgewählte Beute – aus irgendeinem unbekannten Grund – einfach stehen bleibt . Eine solche Reaktion des Beutetieres bringt den Geparden völlig aus dem Konzept: Der Gepard bremst ab und bleibt wenige Meter vor der ausgewählten Mahlzeit stehen.
Das Paradoxe dabei ist: So richtig leisten kann sich der Gepard diesen Luxus nicht. Nach der Jagd ist er selbst so außer Atem, dass er sich mindestens eine Stunde lang erholen muss, bevor er fressen kann. Oder er frisst in völliger Hast. Die Pause kostet ihn leider allzu oft seine Beute. Passen sie nicht ständig auf, kann es leicht passieren, dass die Rennkatzen sogar getötet werden: Löwen und Leoparden töten Geparde, wenn sie die Möglichkeit dazu haben.
Nur bei erfahrenen Gepardenmüttern haben mehrere Jungen eine Chance überhaupt erwachsen zu werden. Oft stirbt nämlich die Hälfte der Jungtiere nach dem Verlassen des Geburtsortes. Und nach zwei Monaten lebt nur noch ein viertel aller Jungen  und nach bereits drei Monaten sind schon 90 % tot. Häufigste Todesursache: Löwen, Leoparden und andere Räuber. In der ersten Zeit, nach dem Verlassen der Mutter, sind die Jungen häufig schlecht ernährt und schwach. Hunger und fehlende Erfahrung treibt die Jungen Geparde häufig dazu es mit anderer Beute, wie Büffeln oder Zebras zu probieren. Regelmäßig dreht die eigentlich gedachte Beute den Spieß um und macht den Jäger zum Gejagten.
Die Brüder eines Wurfes stellen sich von Anfang an zu einem Trupp zusammen. Das kann seine Vorteile haben: In der Gruppe sind Geparde z.B. erfolgreicher bei der Jagd und sie können sich gegen Konkurrenz verteidigen.
Heute wird der Bestand der Geparde auf nur mehr 9 000 bis 12 000 Tiere geschätzt. Einst war der Gepard in vier Arten weit verbreitet gewesen; Acinonyx pardinensis (eine große Art) war über Europa, Indien und China verbreitet. A. intermedius (eine kleinere Art) war in Asien verbreitet. A. trumani war pumaähnlich und lebte im Bereich der USA. Heute gibt es nur noch A. jubarus.

Araber, Äthiopier und Asiaten setzten Geparde im 16. Jahrhundert als „Haustiere“ zur Jagd auf Gazellen und Hirsche ein. Sämtliche Geparde wurden damals in freier Wildbahn gefangen, da damals keine Nachzucht möglich war. In Überlieferungen wird berichte, dass der Mongolenherrscher Kublai Khan des 13ten Jahrhunderts weit über 1 000 Geparde hielt. Der Gepardenbedarf muss enorm gewesen sein, da er fast zur völligen Ausrottung beitrug.Heute bereitet allerdings viel mehr die Jagd auf den Geparden Sorge. Der Trick der Menschen besteht darin, die Katze nie zur Ruhe kommen zu lassen, sondern ihm stets zu folgen. Nach spätestens zwei Tagen liegt der Gepard völlig erschöpft am Boden und lässt sich ohne große Gegenwehr fangen.
Die heutigen Restvorkommen konzentrieren sich auf Kenia und Tansania (ca. 3 000 Tiere), auf Namibia (2 500 – 3 000 Tiere) und Botswana (ca. 1 000 Tiere),  wobei 80 % des Bestandes nicht in Schutzgebieten lebt und somit gejagt werden darf.. In West- und Nordafrika, einschließlich Iran, leben vermutlich höchstens noch 1 000 Geparde.
Als möglicher Grund des Verschwindens gilt der Grund, dass Geparde ihren Gipfel der Entwicklungsmöglichkeit schon erreicht haben und jede Änderung einen Nachteil bedeutet. Das erklärt zwar, warum die Merkmale der Sprintfähigkeit kaum geändert werden, nicht aber, warum das Immunsystem betroffen ist:
Ein möglicher Grund geht von dem Ende der Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren aus. Damals starben 3 der 4 Gepardengattungen aus, vielleicht überlebte sogar nur ein trächtiges Weibchen der Art A. jubatus. Geparde weisen nämlich von gut 250 untersuchten Tieren (von Fliege bis Mensch) die geringste Artenvielfalt auf.Geparde verkörpern eine Zwischenstufe, nicht nur zwischen Katzen (Einzelgänger/Gruppentiere), sondern zwischen Katzen und Hunden. So sind Geparde Hetzjäger, eine für Katzen recht untypische Lebensweise. Diese Jagdweise mag vielleicht mit Vorteilen verbunden sein, denn keine Katze Afrikas oder Asiens ist bei der Jagd so erfolgreich, wie der Gepard. Aber keine andere Katze verliert seine Beute auch so oft an andere Tiere. Und vielleicht sind Geparde gerade dabei, das Evolutionsspiel vor unseren Augen zu verlieren.

Menschenfresser

Es sollte ein Ausflug werden wie viele zuvor: Cindy Parolin ritt mit ihren drei Kindern in die nahen Wälder der Rocky Mountains in der kanadischen Provinz Brithish Columbia. Doch was kurz darauf geschah, ging einen Tag später durch die gesamte Weltpresse: 'Tapferste Mutter der Welt rettet ihren sechsjährigen Jungen vor einem Puma und bezahlt den Mut mit ihrem Leben.'


Die sich häufenden Attacken haben den Berglöwen wieder in Verruf gebracht. Seit 1890 gab es insgesamt 14 Angriffe eines Pumas mit tödlichem Ausgang, und etwa 60 mit Verletzungen. Dabei gab es in den letzten 25 Jahren mehr tödliche Fälle als in den gesamten 80 Jahren davor. Immer mehr Leute fordern wieder die Bejagung der Katze, da man behauptet, dass die Katzen die Furcht vor dem Menschen (und seiner Gewehre) verloren haben und folglich immer öfter Menschen attackieren. Umwelt -und Tierschützer behaupteten jedoch, dass das Argument nicht einsichtig wäre. So gibt es z.B. in British Columbia und Texas die meisten Puma-Attacken, obwohl dort die Jagd auf Pumas freigegeben ist. In Texas wird der Puma sogar als Schädling eingestuft, dem jederzeit nachgestellt werden darf. Eine mangelnde Furcht vor dem Menschen kann ist also weniger der Grund der Attacken sein.
(Abenteuer Natur, März/April 1997:) 'Der Biologe Hornocker vermutet gerade das Gegenteil: „Vancouver-Pumas sind extrem aggressiv. Vielleicht hat der Jagddruck genetisch den aggressiven Typus als einzig überlebensfähigen heraus selektiert.“'

Die meisten Pumas, die Menschen angreifen, sind junge und unerfahrene Männchen, die sich erst vor kurzem von der Mutter getrennt haben. Auch der Puma der Cindy Parolin getötet hatte, war - wie später eine Untersuchung ergab - relativ jung, männlich und halb verhungert.
Angriffe der Berglöwen hat sicherlich auch damit zu tun, dass sich der Bestand der Pumas wieder genügend erholt hat, dass Menschen (die immer weiter in die Wildnis dringen) und Pumas immer öfter aneinander geraten.

Viel häufiger als die ausgesprochen seltenen Puma-Attacken sind die von Leoparden und Löwen. Brehm schreibt u.a. über de Leoparden: »Mit Kühnheit, Raubgier und Mordgier verbindet der Leopard die größte Frechheit. [...] In Abbynessien werden alljährlich erwachsene, wehrhafte Leute von Leoparden angegriffen und umgebracht. Auf Kinder macht er geradezu Jagd.«
Diese Übertreibung sei nicht all zu ernst zu nehmen. Dennoch: Wenn einzelne Leoparden sich zu Menschenfressern entwickeln, können sie zu einer Gefahr für Menschen in der ganzen Umgebung werden. Dabei müssen es sich bei dieser Großkatze nicht unbedingt schwache oder alte Tiere handeln. Glücklicherweise sind Fälle von solchen Leoparden aber sehr selten.

Beim Löwen sind es dagegen immer unerfahrene oder alte, verletzte Tiere, die Menschen anfallen; Besonders die älteren Löwen, die ihr Rudel verloren haben und jetzt auf sich allein gestellt sind. Männliche Löwen sind nun mal nicht die geborenen Jäger und so muss sich dieser Löwe sich mit Aas begnügen und sich auf einfach zu fangende Tiere einstellen. Und der Mensch - so langsam und schwach wie er nun einmal ist - ist für ihn die ideale Beute.

Doch die Katze, der die meisten Menschen zum Opfer fallen, ist mit großem Abstand der Tiger. Besonders in den Sundabarans sind die Großkatzen eine echte Bedrohung. Dort werden schätzungsweise jährlich an die 100 Menschen von Tigern getötet. Selten machen Tiger aber regelrechte Jagt auf Menschen. Nur alte, oder verletzte Tiger, die nicht mehr kräftig genug sind entwickeln sich öfters zu 'Menschenfressern'.
Brehm schreibt dagegen: »Der Tiger ist nicht bloß dreist, sondern geradezu frech. Manche Engpässe durch waldreiche Schluchten sind berüchtigt wegen seiner Raubtaten [...] Man reist in Indien der Hitze wegen gewöhnlich des Nachts und dies erklärt, dass der Tiger einen seiner kühnen Angriffe nicht nur wagt, sondern auch erfolgreich durchführt. [...] Nicht einmal Truppen sind gesichert. Forbes erlebte es, dass in einer einzigen Nacht drei gut bewaffnete Schildwachen von Tigern gefressen wurden. Nachzügler der Heere fallen ihnen oft zur Beute. Aus Dörfern holt sich der Tiger zuweilen am helllichten Tage einen Menschen weg und hat es hierdurch in einigen Gegenden wirklich dazu gebracht, dass die Bewohner ganzer Dörfer ausgewandert sind. [...] Die einen wie die anderen (Tiger) lernen jedoch sehr Bald in dem Menschen ein leicht zu bewältigendes Wild kennen und werden so gefährlich, dass man begreift, wie eingeborene Mütter, wenn sie sich von Tigern bedroht sehen, ohne auf Hilfe rechnen zu können ihre Kinder preisgeben, um sich selbst zu retten. [...] Tiger die einmal Menschenfleisch gekostet haben, sollen dies allem anderen vorziehen.[...] Es wird uns daher nicht wundern, dass alle Inder und die europäischen Bewohner [...] den Tiger als Inbegriff alles Entsetzlichen ansehen [...] Damit steht nicht im Wiedersprüche, dass das Ungeheuer in vielen Gegenden Indiens geradezu geschont, ja in einigen sogar als Gottheit betrachtet wird. [...] In neuerer Zeit hat die englische Regierung [...] viel für die Verminderung der Tiger getan, aber immer noch gibt es deren genug.«
Jim Corbett schildert in seinem Buch 'Man Eaters of Kumaon' ('Menschenfresser von Kumaon') wie er ein halbes Dutzend der gefürchtetsten Tiger erlegte. Einer von ihnen hatte gut 430 Personen getötet. Trotzdem liebte Corbett Tiger und Leoparden, für deren Erlegen man ihn bezahlte. »Nur wenn Tiger durch Wunden oder hohes Alter geschwächt sind« schreibt er »müssen sie Menschenfleisch fressen, um zu überleben.« Corbett machte 32 Jahre lang Jagd auf Raubtiere »und obwohl ich Dinge gesehen habe, die Steine erweichen hätten können, habe ich niemals einen Tiger gesehen, der absichtlich grausam war oder mehr tötete, als er zum Stillen seines Hungers oder für seine Jungen brauchte.«
Öfter fallen die gestreiften Katzen den Menschen nur 'versehentlich' an; z.B. wenn jemandwas durchaus schon vorgekommen ist- über den ruhenden Tiger stolpert und diesen erschreckt. Oft schlägt er dann mit der Pranke nach einem, wobei er mit diesem einen Menschen töten kann.

Die Tigerkrise

Schon 20 Jahre dauert die 'Tiger-Krise'. Die schöne Großkatze ist eine der durch den Handel am stärksten bedrohten Tiere überhaupt. Die Knochen und Eingeweide werden in China zu Zaubermittelchen verarbeitet, die gegen allerlei Krankheiten helfen sollen. Meist ist es aber nur der feste Glaube an das Mittel, der die Leute wieder heilt.

Streiften zur Jahrhundertwende noch an die 100 000 Tiger durch die Wälder Asiens, so gab es 1970 nach intensiver Verfolgung durch Pelz -und Sportjäger gerade noch 5000 Tiere dieser Art. Drei der ehemals acht Unterarten sind heute ausgerottet.
Bis in die 30er Jahre war die Großwildjagd ein beliebter Zeitvertreib, 10 Tiger pro Jagdausflug waren üblich. Mächtige Fürsten ritten feierlich auf ihren Elefanten und schossen jeden Tiger ab, der ihnen über den Weg lief oder ihnen zugetrieben wurde. Zudem galt der Tiger als gefährlicher Menschenfeind, wenngleich es früher, da Süd -und Südostasien noch dünner besiedelt waren, zu den Ausnahmen gehörte, wenn hier und da ein Menschenfresser auftauchte. Mit allen Mitteln wurde dem Tiger nachgestellt: Mit Fangeisen, Fallen, Tigergruben, Gewehren, Pfeilen und Speeren. An anderen Orten wurden sie auch vergiftet oder ausgehungert.
 Am 6. September 1937 wurde der letzte bekannte Bali-Tiger -ein junges Weibchen- geschossen. Er war die kleinste Unterart des Tiger, und erreichte bei einer Körperlänge von 140cm gerade Mal die Hälfte seines sibirischen Verwandten. Der Bestand der Tiger schwand immer mehr. Die letzte Sichtung eines kaspischen Tigers datiert auf 1958, wenngleich es bis 1973 immer wieder Spuren von ihm gegeben haben soll. Als bekannt wurde, dass Asiens Großkatzen knapp wurden, fuhr jeder noch mal dort hin, um selbst auch einmal eine der großen Katzen erlegt zu haben Auch als der Tiger unter Schutz gestellt wurde, sank der Bestand weiterhin, und die dritte ausgerottete Unterart, der Java-Tiger starb vor nicht einmal 15 Jahren aus. 1980 hatte es noch 4 Tiere seiner Art gegeben. Besonders bedroht sind heute der Südchina-Tiger und der sibirische Tiger. Von letzterem gibt es Momentan etwa 250-300 Tiere. 1997 gab es die freudige Nachricht, dass es sogar noch 400-450 sibirische Tiger geben solle. Diese Zahl könnte jedoch viel zu hoch sei, denn der Tiger wird folgendermaßen gezählt: Man misst die Spuren der Katzen aus und ordnet sie dann den Tigern zu. Allerdings genügt eine Stunde Sonnenschein, um die Spur um 1cm zu vergrößern.

Doch sibirische Tiger waren nie besonders häufig: Mehr als 800 Tiere hat selbst um 1800 nie gegeben. Und es stand sogar noch schlechter um ihn als heute: 1942 soll es nicht einmal mehr als 20-30 Tiere von ihm gegeben haben. Genau zu dieser Zeit aber zogen alle wehrfähigen Männer in den Krieg und die Frauen hatten andere Sorgen, als dem Tiger im Schnee nach zu stampfen. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte Stalin den sibirischen Tiger unter Schutz und drohte Wilderern mit drakonischen Strafen. Der Bestand erholte sich wieder auf 400 Tiger. Nach dem sich die Sowjet-Union aufgelöst hatte, ging es mit der Wirtschaft bergab. In manchen Regionen stieg die Arbeitslosigkeit auf bis zu 70%. In vielen Familien ging es buchstäblich ums nackte Überleben, ein idealer 'Nährboden' für die Wilderei. Ein erlegter Tiger bringt dem Wilderer bis zu 10 000 Dollar einbringen - genug, um seine Familie zwei Jahre lang zu ernähren. Unbemerkt hatten Wilderer in nur einem Jahr an die 50 der Großkatzen erlegt. Und der Bestand sank, trotz Schutzmaßnahmen, weiter - und er tut es immer noch.
Vom Bengal-Tiger gab es in Indien zur Jahrhundert wende mehr als 50 000 Tiere, im Jahr 1972 waren davon knapp 1800 Tiger übrig geblieben. 1969 wurde der Tiger zur bedrohten Art erklärt, 1970 wurde der Abschuss von Tigern verboten. Dank dem 1973 gestarteten 'Projekt Tiger', das vom WWF und der indischen Regierung gestartet wurden und für das 30 Dörfer mit 5000 Menschen umgesiedelt wurden, um 19 Tigerreservate einzurichten, erholte sich der Bestand wieder auf etwa 4000 Bengal-Tiger.
Der Südchinesische Tiger war im 19. Jahrhundert ebenfalls sehr häufig. Bis zur Mitte dieses Jahrhunderts hatte China aber viele Tiere - darunter eben auch den Tiger- zum Schädling erklärt. Für jeden erlegten Tiger bekam man eine Kopfprämie. Erst 1977 wurde der Regierung bewusst, wie alarmierend der Bestand des südchinesischen Tigers geschrumpft war, und sie verbot die Tigerjagd. Ein solches Gesetzt ist aufgrund des Schwarzmarktes mit Tigerprodukten kaum durchführbar. Noch leben knapp 50 Südchina-Tiger in China, doch dürfte diese Unterart mit Sicherheit bald ausgestorben sein. Heute sind Tiger in China Mangelware. Der neureiche chinesische Mittelstand , so modern er auch sein mag, glaubt noch immer an die direkte Übertragbarkeit tierischer Kräfte auf den Menschen. Pulver aus Tigerknochen - auch als 'Tigerwein', gilt als Heilmittel für viele Beschwerden: angeblich heilt es Rheuma, hilft gegen Malaria und Rattenbisse, kuriert Verbrennungen und Geschwüre jeder Art, beruhigt die Nerven und erhöht die Intelligenz. Ein Tigerschädel als Kopfkissen schützt vor Alpträumen, einer über der Tür vor bösen Geistern. Auch Schnurrhaare, Augen, Nasenspitzen, Zähne, Krallen und Blut haben angeblich medizinisch-spirituelle Kräfte. Wilderer verdienen an einem einzigen Tiger bis zu 25 000 Mark. Experten haben berechnet, dass man ein Tiger - zu Salben, Pülverchen usw. verarbeitet,- bis zu 900 000 Mark wert sein kann. Wen wundert es da, dass die Wilderei blüht? Tigerprodukte gehen dabei keineswegs nur in China oder Taiwan über den Ladentisch: nicht selten landen Kopf, Zähne, Fell oder Klauen als Trophäen ins Wohnzimmer von Europäer oder US-Amerikaner.

Was haben wir eigentlich davon, wenn der Tiger ausstirbt oder nicht? Eigentlich könnte es uns ja egal sein. Er wäre nur eine weitere von tausenden Arten, die wir bereits ausgerottet haben. Die Erde wird sich auch ohne den Tiger weiter drehen. In Gefangenschaft wird man ihn weiter antreffen, wenn er fauchend durch den Feuerreifen springt, oder träge von einem Ende zum anderen Ende seines Käfigs tigert. Aber das 21. Jahrhundert könnte ihn nur noch als Schatten seiner selbst erkennen. Als Mythos wird er weiter leben, als gefährlicher Menschenfresser durch Film und Fernsehen geistern und auf Reklamebildchen als Symbol für Kraft, Schnelligkeit und Schönheit stehen. Aber diese Tiger werden nicht entfernt an die Anmut der freien Tiger herankommen.

Der Meister des heimtückischen Mordes“


Den Puma kennt man in Europa meist nur aus Westernfilmen, in denen er die Helden und dessen Viehherden bedroht - ein völlig falsches Bild.
Der Puma hat einen schlechten Ruf als Viehtöter. Auch seine Angriffe auf Menschen haben ihn in Verruf gebracht. Trotzdem hat er sich durch seine Anpassungsfähigkeit relativ gut halten können. In vielen Regionen, in denen Bären und Wölfe längst ausgerottet wurden, hat der Puma als einziger großer Räuber überlebt. Dennoch haben Pumas eine schlimme Zeit hinter sich. Und auch heute noch haben viele kein besonders gutes Bild von ihm.

Obwohl sehr scheu, war der Berglöwe den frühen Siedlern im entdeckten Amerika recht bald ein Dorn im Auge. Denn der Puma hatte schnell gelernt Schafe, Rinder, Hofhunde, Pferde usw. zu erbeuten. Bald wurden nicht nur die Verluste am Vieh, sondern sogar sein Appetit auch Hirsche beklagt. So erklärte man den Puma kurzerhand zum Schädling. Man unterstellte der Katze, sie habe vergnügen am töten, sei feige und hinterhältig. Um 1700 bezeichnete ein Engländer namens John Lawson den Puma, aus unbekannten Anlass, als größten Feind der Menschen.
Brehm schrieb über den Berglöwen in seinen Büchern: »Wenn ein Puma eine Beute ergriffen hat, reist er ihr sofort den Hals auf und leckt, ehe er zu fressen beginnt, zuerst das Blut. Das Blut liebt er weit mehr als das Fleisch [...] Ein Puma tötete in der Meierei achtzehn Schafe in einer Nacht und fraß von ihrem Fleische auch nicht einen Bissen, sondern riss ihnen bloß den Hals auf und trank ihr Blut. Nach Erzählungen der Leute aus Paraguay [...] soll er in einer Nacht manchmal bis zu fünfzig Schafe erwürgen.«
Die Jagt auf den Berglöwen reichte bis weit in unsere Zeit hinein, wobei des öfteren widerliche Hetzjagden veranstaltet wurden, bei denen die schönen Katzen mit dem Lasso erwürgt oder zu Tode geschleift wurden. Für den Abschuss von Pumas würden Prämien ausgesetzt. In Kalifornien stellte man sogar professionelle Pumajäger an. Dort wurden von 1907 bis 1963 etwa 12500 dieser Katzen erlegt. Theodor Roosevelt bezeichnete den Puma Anfang dieses Jahrhunderts als 'eine pferdemordende Katze, einen Hirschtöter, den Meister des heimtückischen Mordes' sozusagen als Fehler der Evolution, den der Mensch zu korrigieren hatte. Und ein Rechtsanwalt aus Utah, der 1960 ein vielzitiertes Buch über die Berglöwen schrieb, verdammte sie als »die bösartigsten Raubtiere überhaupt.« Jäger und Farmer stellten dieser Kleinkatze bis in die 60er Jahre nach. Zwischen 1936 und 1961 wurden in Washington 3219, in Oregon 3581 und in Kalifornien 4775 Prämien für getötete Berglöwen ausgezahlt (Zahlen: Geo; April 1986) Zur Bekämpfung des Pumas kam die Rodung der Wälder - und schon war es um die Pumas des östlichen Nordamerikas geschehen. Puma concolor cougar ist eine Unterart die dabei ausgerottet wurde, wenngleich auch berichtet wird, das die vorher genannte Unterart noch ein paar Mal gesehen worden sei. Heute leben in ganz Nordamerika noch etwa 20 000 Pumas. Im Westen des Verbreitungsgebietes hat allein der Florida-Puma überlebt. Etwa 30-50 Tiere sind der klägliche Rest einer Unterart, die einst das gesamte Küstenflachland der USA durchstreifte. Einige Zeit galt er sogar noch als ausgerottet.

Inzwischen stehen die Berglöwen wieder unter Schutz, aber die sich häufigen Attacken auf Menschen stellen diesen wieder in Frage. Besonders in Kalifornien, wo die Jagd auf Pumas seit 1972 verboten ist und sich 1994 die tödliche Puma-Attacke auf die Marathonläuferin Barbara Schoener traurige Berühmtheit erlangte, (s. Seite ) wurde der Schutz der großen Katzen wieder in Frage gestellt; der Puma wieder sollte zur Sportjagd freigegeben werden. Glücklicherweise siegten die Naturschützer. Momentan gibt es in Kalifornien etwa 2000 Pumas. Sehr schlecht steht es jedoch um den geschützten Florida-Puma. Der Florida-Puma benötigt ein Revier von durchschnittlich 301 bzw. 194 km² und einen Nahrungsbedarf von 50 Tiere von der Größe eines Hirsches. In Florida gibt es jedoch kein einziges Gebiet, das groß genug wäre um eine Lebensfähige Pumapopulation zu beherbergen. Wegen der schweren Inzuchtschäden (s. Unterart: Floridapuma) und der Vernichtung des Lebensraumes wird der Florida-Puma mit einer Wahrscheinlichkeit von über 85 % in den nächsten 20-25 Jahren ausgestorben sein.

Das Schicksal vom Nordluchs und der europäischen Wildkatze

Es durchzieht wie ein roter Faden die Geschichte vom Verhältnis zwischen Mensch und Raubtier. Besonders der Luchs, heimlich und still, wie es seiner Art entspricht, wurde gehasst. Erzählungen von Hirten, Jägern und Waldhütern machten die Raubkatze zu einer blutgierigen Bestie, die in blindem Rausch Wild und Haustiere erwürgt Laut Brehm sollten sich manche Luchse sogar so tief in ihr Opfer verkrallen, dass sie von alleine nicht mehr loskamen. Der Luchs galt zudem als nicht ungefährlicher Gegner von Menschen. Ende des 15. Jahrhunderts galt er in Pommern als eines der schlimmsten Raubtiere überhaupt. Die Verfolgung und der Fang des Luchses wurde Pflicht und edle Mannestat zugleich. Wo immer man diese Katze antraf, wurde sie mit allen Mitteln verfolgt. Und so wurde der Luchs mit Fangeisen, Gift und Gewehr schließlich fast vollständig ausgerottet.

Und es gibt sie auch heute noch, die Vorteile. So schreibt Pavel Hell, tschechischer Wildbiologe, in einer seiner Publikationen: 'In Jägerkreisen wird [...] dieses edle Raubtier, der Luchs, leider noch immer als arger Schädling des Nutzwildes betrachtet, als blutgierige Bestie, die auf Schritt und Tritt zu vernichten ist. Eine Anschauung, die in unserem Zeitalter der kosmischen Flüge eigentlich steinzeitlich anmutet!'
Heute ist der Luchs in Europa fast überall bedroht, und nur noch in wenigen Ländern, wie Rumänien. Finnland, Schweden und Russland in nennenswerten Zahlen zu erwähnen. In den letzen Jahren sollten Luchse wieder in Bayern ausgewildert. Auch im Schwarzwald sollte er wieder angesiedelt werden. Doch die Weidmänner sperren sich. Sie fürchten, dass er ihnen die Rehe wegjagt. Luchse reißen hauptsächlich Rehe. Jeder einzelne erlegt im Jahr 60-70 dieser Tiere. Eine Horrorvorstellung für die Jäger, aber ein Wunschtraum von Naturschützern, die die zu hohen Wildbestände beklagen, das im Wald erhebliche Verbiss-Schaden anrichtet. Zwar würden Luchse nur 5% der Rehpopulation erbeuten -und damit nicht die geringste Gefahr für den Bestand bedeuten-, aber die Anwesenheit der Katze würde Unruhe unter das Wild bringen. Es würde wieder scheu werden - zum Ärger der Jäger. Aber das war nicht das einzige Problem. Man stellte sich die Frage, ob die Luchse auch dem Menschen gefährlich werden können. Doch es gibt bis heute keine gesicherten Erkenntnisse, dass ein Luchs jemals einen Menschen von selbst aus angegriffen hat.
Die Jäger dulden keine anderen Jäger in den Wäldern. Alle zehn der im Bayrischem Wald frei ausgesetzten Luchse wurden innerhalb von kurzer Zeit von Jägern erschossen oder von Autos überfahren. Der in den Vogesen gestartete Auswilderungsversuch schlug auf gleiche Weise fehl.

Nicht sehr viel besser erging es der andern Wildkatzenart aus unseren Wäldern. Über 300 000 Jahre hat die europäische Wildkatze in den Waldgebieten Europas im Einklang mit der Natur gelebt. War die scheue Waldbewohnerin noch vor 200 Jahren zahlreich vertreten, so ist sie heute so selten geworden, dass sie -bis Restbeständen wie etwa in Rumänien, der Slowakei oder dem Erzgebirge - nach der Ansicht von Fachleuten innerhalb weniger Jahrzehnte ganz verschwunden sein könnte. In Deutschland gibt es schätzungsweise noch 1000-1400 reinrassige Wildkatzen. Es steht schlecht um die verbliebenen Tiere, zumal weil viele von ihnen - auch wenn sie ganzjährig unter Schutz stehen- von Jägern mit wildernden Hauskatzen verwechselt und abgeschossen werden.
Als große Raubtiere, wie Luchs, Wolf und Bär in den meisten Ländern schon fast ausgerottet waren, erblickten die Jäger und Wildhüter plötzlich in der gestreiften Katze eine gefährliche Beuterivalin. Das Federwild musste auf jeden Fall geschützt werden. Also wurde die Wildkatze zum Schädling erklärt. Sie wurde abgeschossen, in Fallen gefangen oder vergiftet. Die meisten Schauermärchen über die Wildkatze wurden zu dieser Zeit in Umlauf gebracht, meist von Jägern und Wildhütern, die die Aufgabe hatten den Bestand dieser Tiere zu dezimieren. Auf den Tod einer Wildkatze wurden Prämien ausgesetzt. Wer mehr Wildkatzen erlegte, verdiente mehr Geld. Die erlegten Tiere forderten den guten Ruf des Wildhüters. Je mehr der Wildhüter zur Strecke brachte, desto fähiger galt er in seinem Beruf. Noch gegen des vorigen Jahrhunderts war man überzeugt, dass die europäische Wildkatze eine Bedrohung für das Federwild, Kitze und Hasen darstellte. Aber nicht nur für diese. Auch Menschen sollte sie -laut Alfred Brehm- angreifen und töten können.


Neben der Jagdneid machte aber auch der Aberglaube die europäische Wildkatze verhasst. Wie vielen Nacht aktiven Tieren sagte man auch der europäischen Wildkatze magische Kräfte zu. Sie galt stets als Vorbote von Krankheit und Unheil, die mit Dämonen und Hexen im Bund war. Kaum ein Jäger ging das Risiko einer Wildkatzenjagd ein, ohne sein Gewehr mit Weihwasser zu besprengen.
Neben der Jagd durch die Menschen, wirkte sich auch die Abholzung der Wälder für den Ackerbau fatal auf den Bestand der Katze aus. Sie zog sich schließlich in die letzten ruhigen Wälder zurück, wo sie auch heute noch vorkommt.
1934 erhielt die europäische Wildkatze endlich ganzjährig Schutz. Die Katzen sind scheu geworden, so dass sie zu den am wenigsten bekannten Tierarten in den Wälder gehört. 'Eine Wildkatze erkennt man daran, dass man sie nicht sieht,' witzeln die Weidmänner. Das heißt: wer eine wilde Katze gesehen hat, hat womöglich nur eine verwilderte Hauskatze gesehen. Wie vorsichtig die Wildkatze geworden ist, zeigt auch, dass man 1968 Spuren von Wildkatzen fand, wo sie seit 90 Jahren als ausgerottet galten. Inzwischen werden Wildkatzen ausgewildert, auch wenn nur die wenigsten überleben. Die meisten fallen Jägern, Bauern und Autos zum Opfer.